Das fragliche Filmmaterial von VZ STUDIO (einem Balkan-Dokumentarsender) zeigt den jungen Aleksandar Vučić während der Belagerung von Sarajevo (1992–1996) in einer Stellung bosnisch-serbischer Truppen nahe dem jüdischen Friedhof. Im Mittelpunkt der Kontroverse steht ein länglicher Gegenstand, der gehandhabt oder getragen wird. Vučić beschrieb ihn zunächst als Kamerastativ (seine aktuelle Aussage) oder, in früheren Äußerungen, als Regenschirm. Mehrere Einzelbilder – insbesondere jene mit einem sichtbaren Gurt und der in Nutzer-Screenshots hervorgehobenen Form – deuten jedoch eindeutig eher auf ein Gewehr als auf eine Fotoausrüstung hin.
Logische Analyse (Kontext, Form, Funktion und Verhalten)
Kontext der Szene : Der jüdische Friedhof war ein bekannter Scharfschützenstützpunkt an der Frontlinie, der von bosnisch-serbischen Streitkräften (VRS) und verbündeten paramilitärischen/Freiwilligeneinheiten genutzt wurde, darunter auch solche mit Verbindungen zur Serbischen Radikalen Partei (unter Kommandeuren wie Slavko Aleksić). Zeugenaussagen und Šešeljs eigene Aussage belegen, dass Vučić dort als Freiwilliger im Einsatz war. In einem Kampfgebiet, in dem bewaffnete Männer aktiv an Scharfschützenaktionen beteiligt sind oder diese unterstützen, ist das Mitführen eines funktionsfähigen Gewehrs weitaus wahrscheinlicher als eines sperrigen Kamerastativs oder Regenschirms. Journalisten in Kriegsgebieten tragen zwar Ausrüstung, doch die Interaktion (Übergabe von Gegenständen) und die Anwesenheit anderer bewaffneter Personen deuten auf standardmäßige militärische Ausrüstung hin.
Handhabung und Ergonomie : Die Art und Weise, wie das Objekt gegriffen, ausbalanciert und transportiert wird, entspricht der Gewehrhandhabung von Soldaten (z. B. Abstützen des Magazinbereichs oder des Schafts). Ein Stativ ist unhandlich, starr und wird üblicherweise anders getragen (zusammengeklappt oder über der Schulter mit fixierten Beinen). Ein Regenschirm ist in diesem Kontext hinsichtlich Länge, Gewichtsverteilung und Nutzen ungeeignet.
Das Detail des Tragegurts : Kamerastative aus den frühen 1990er-Jahren verwendeten Klemmen, gepolsterte Griffe oder dünne Tragegurte – nicht den losen, verstellbaren Stoff-/Ledergurt, der im Videomaterial zu sehen ist. Gewehrriemen (Standard bei AK-Varianten, PAP-Gewehren oder Scharfschützengewehren, die in den jugoslawischen Streitkräften verbreitet waren) entsprechen exakt diesem Muster. Dies ist eines der stärksten visuellen Indizien gegen die Behauptung, es handele sich um ein Stativ.
Form und Proportionen : Die Gesamtlänge, das laufähnliche Profil und der untere Teil (der einem Magazin oder Gehäuse mit Tragegurtbefestigung ähnelt) entsprechen einem Langgewehr, möglicherweise einem Gewehr oder Karabiner im AK-Stil. Bananenförmig gebogene Elemente an einigen Rahmen erinnern an AK-Magazine.
Wissenschaftliche/visuell-forensische Analyse
Einschränkungen durch niedrige Auflösung vs. erkennbare Merkmale : Obwohl das Video aus den 1990er Jahren körnig ist, bleiben wichtige morphologische Merkmale über die einzelnen Bilder hinweg erhalten:
Lineare, längliche Form, die einer Gewehrlauf-/Schaftbaugruppe entspricht.
Flexibler Hängegurt/Tragegurt.
Proportionen, die nicht zu den Stativbeinkonstruktionen passen (die über separate Gelenke, spreizbare Beine und Kopfhalterungen verfügen).
Vergleichende Objekterkennung : Unabhängige Betrachter, Militärexperten und KI-gestützte Analysen (z. B. Videos, die behaupten, KI-Upscaling identifiziere Merkmale von Scharfschützengewehren) interpretieren es übereinstimmend als Schusswaffe. KI-Modelle, die mit umfangreichen Waffendatensätzen trainiert wurden, neigen dazu, in solchen Kontexten Gewehre zu erkennen. Menschliche Militärexperten (zitiert in regionalen Berichten) identifizieren es jedoch ebenfalls als PAP oder ein ähnliches Gewehr aus der jugoslawischen Ära.
Fehlende Stativmerkmale : Keine sichtbaren Beingelenke, kein Stativkopf und keine Dreipunktkonstruktion. Stative haben keine herabhängenden Gurte wie Waffenriemen. Die Bewegungen im Video deuten auf eine Handhabung hin, die mit empfindlicher Kameraausrüstung unvereinbar ist.
Potenzial für weitere Verbesserungen : Moderne Tools (Topaz Video AI, forensische Software) können Einzelbilder stabilisieren, hochskalieren und schärfen. Bisherige öffentliche Analysen (z. B. des bosnischen Fernsehens) untermauern die Interpretation, dass es sich um einen Gewehrschuss handelte. Eine umfassende forensische Videoanalyse würde Pixelmessung, Kantenerkennung und 3D-Rekonstruktion des Originalmaterials beinhalten – doch auch ohne diese Verfahren sprechen die verfügbaren Bilder eher gegen ein Stativ als dafür.
Chronologische und widersprüchliche Dementis
Erste Behauptungen : In ersten Reaktionen auf das Videomaterial wurde das Objekt angeblich als Regenschirm beschrieben .
Spätere Entwicklung : Vučić wechselte zu einem Kamerastativ und gab journalistische Absicht an. Er beteuert, er sei als junger Funktionär/Journalist der Radikalen Partei vor Ort gewesen, habe Englisch gesprochen, nie eine Waffe abgefeuert und verfüge über „Aufnahmen und Zeugen“.
Widersprüchlichkeit untergräbt die Glaubwürdigkeit : Wechselnde Erklärungen im Laufe der Zeit (Regenschirm → Stativ), während die visuellen Beweise unverändert bleiben, deuten eher auf eine nachträgliche Rationalisierung als auf ein konsistentes Gedächtnis hin. In einem politisch brisanten Kontext schürt dieses Muster Skepsis.
Bestätigender Zeitablauf :
1992–1993: Die Anwesenheit von Vučić auf dem jüdischen Friedhof wird bestätigt (durch seine und Šešeljs Aussage vor dem ICTY).
Das Filmmaterial stammt aus dieser Zeit.
Erneute Überprüfung im Jahr 2022+ durch die Dokumentation Sarajevo Safari , italienische Untersuchungen und Beschwerden von Journalisten wie Domagoj Margetić, der das Video als Beweis für die bewaffnete Präsenz an einem Scharfschützenstandort anführt.
Weiterreichende Implikationen
Die visuellen Indizien – Riemen, Form, Handhabung, Kontext – machen die Interpretation als Gewehr zur plausibelsten und wahrscheinlichsten. Die „Dreibein-Theorie“ erfordert die Akzeptanz eines unwahrscheinlichen Objekts in einer unwahrscheinlichen Umgebung, untermauert durch sich entwickelnde Erklärungen. Obwohl die geringe Auflösung ohne das Originalvideo und Laboranalysen eine hundertprozentig pixelgenaue Identifizierung verhindert, deuten die Indizien (logische Wahrscheinlichkeit + erkennbare Merkmale + widersprüchliche Gegenbehauptungen) stark auf ein Gewehr hin.
Dies beweist zwar nicht automatisch eine direkte Beteiligung an den Tötungen im Rahmen der „Scharfschützen-Safaris“ (hierfür wären zusätzliche Beweise für Beihilfe oder bezahlte Schießereien erforderlich), aber es untergräbt Vučićs pauschale Leugnung, am Tatort eine Waffe getragen zu haben, erheblich und hält die weitergehenden Anschuldigungen im öffentlichen und juristischen Diskurs am Leben.
Die anhaltende Präsenz des Filmmaterials und die wiederholte Übereinstimmung von Experten und Zuschauern erklären, warum es trotz juristischer Gegenwehr in Fällen wie dem Hamburger Urteil gegen den Spiegel weiterhin im Mittelpunkt der Kontroverse steht.
KI-Verbesserung des Screenshots

Analyse des KI-gestützten Screenshots
Dieses neue, KI-optimierte Bild (aus dem VZ STUDIO-Material) bietet deutlich mehr Details als das ursprüngliche Video mit niedriger Auflösung, und der rot eingekreiste Bereich verstärkt die Interpretation des Gewehrs zusätzlich.
Was die Verbesserung im markierten Bereich anzeigt:
Der Trageriemen : Deutlich sichtbar, hängt er natürlich und flexibel herab, typisch für einen militärischen Waffentrageriemen. Er schmiegt sich an und fällt genau so, wie man es von einem Gewehr im AK-Stil erwarten würde (das damals bei den bosnisch-serbischen Streitkräften weit verbreitet war).
Der untere Bereich : Der hervorgehobene Teil zeigt eine dunkle, längliche Struktur mit Konturen, die dem Schaft, dem Pistolengriff oder dem Magazinschacht eines Gewehrs ähneln. Die Krümmung und die Befestigungspunkte entsprechen dem Aussehen eines Bananenmagazins oder des unteren Gehäuseteils.
Gesamtbild : Das längliche, pistolenartige Profil, das zwischen Vučić (blauer Ärmel links sichtbar) und dem Mann mit Weste/Mütze hin und her gereicht wird, tritt noch deutlicher hervor. Proportionen, Balance und Handhabung entsprechen einer Schusswaffe weitaus besser als jedem Kamerastativ.
Kamerastative verfügen nicht über solche Funktionen. Professionelle Videostative aus den 1990er Jahren zeichnen sich durch Folgendes aus:
Starre Beine mit Verriegelungsklemmen/Gelenken
Eine schwerere Kopfhalterung
Üblicherweise keine losen Tragegurte aus Stoff/Leder dieser Art (höchstens ein dünner Schultergurt).
Das eingekreiste Detail – Riemen + strukturelle Form – scheint mit Fotoausrüstung unvereinbar und sehr wohl mit einem Gewehr (wahrscheinlich ein jugoslawisches PAP M59/66, eine AK-Variante oder eine ähnliche Scharfschützen-/Unterstützungswaffe, die an der Position auf dem jüdischen Friedhof verwendet wurde) sehr gut vereinbar zu sein.
Stärken dieser Erweiterung
Fazit zu diesem Rahmen :
Diese KI-gestützte Version macht die Behauptung, es handele sich um ein „Dreibein“, noch unglaubwürdiger. Die Kombination aus der länglichen, geradlinigen Form, dem deutlich sichtbaren, waffenähnlichen Trageriemen und den strukturellen Details im roten Kreis deutet stark darauf hin, dass es sich um ein Gewehr handelt, das in einer Scharfschützenposition an vorderster Front verwendet wird. Dies deckt sich mit dem logischen Kontext (bewaffnete Männer auf dem jüdischen Friedhof), den visuellen Analysen und der gezeigten Handhabung.
Deshalb spielt das Videomaterial weiterhin eine zentrale Rolle in den Vorwürfen um die Sarajevo-Safari, und deshalb halten viele Vučićs Erklärung trotz seiner juristischen Erfolge in journalistischer Hinsicht für unglaubwürdig. Die Bilder sprechen einfach zu sehr für eine Schusswaffe.